Historische Erläuterungen und die Fußnoten zu dem Roman Der römische Statthalter Oder: Schlachtet Pontius Pilatus
 

 

Historisches Nachwort

 

 

 

Eine Biographie des Pontius Pilatus kann nicht geschrieben werden, ebensowenig wie eine Biographie Jesu möglich ist (Zahrnt, Jesus aus Nazareth, S. 9: „es geht wirklich nicht“). Wir wissen über beide Personen ganz einfach zu wenig.

Bei Pilatus beginnt unser Nichtwissen schon mit seiner Familie. Die Familie Pontius Pilatus gehörte zum Ritterstand, also zur unteren Oberschicht der römisch-italischen Gesellschaft. Aber sie ist nicht weiter öffentlich bekannt geworden. Der Statthalter ist eindeutig nachweisbar durch einen Inschriften-/Widmungsstein im Theater von Caesarea. Leider fehlt auf dieser Inschrift sein Vorname. Soweit ich sehe, bin ich der einzige Romanautor, der ihm einen Vornamen gibt (Pontius Pilatus ist Familien- und Beiname; wie z.B. Julius Caesar).

Pilatus wird in der Geschichtswissenschaft kontrovers beurteilt. Der Statthalter ist uns durch einige antike Berichte bekannt; diese sind überwiegend negativ und gehören zur politischen Auseinandersetzung und Propaganda verschiedener Führungsgruppen. Einige von ihnen funktionieren nach folgendem Strickmuster: Man möchte den Kaiser Tiberius kritisieren, in einem schlechten Licht darstellen. Nun hat Tiberius, wie sich alle Interessierten erinnern, eigentlich nicht allzu viel falsch gemacht. Aber da gibt es ja zum Glück Personen, die nicht mehr jeder kennt, also z.B. den Statthalter X. Und dann schreibt man: Die Unfähigkeit des Tiberius und seine mangelnde Fähigkeit, einmal getroffene Entscheidungen zu revidieren, zeige sich besonders bei der Auswahl seiner Statthalter. Mit dem X habe er einen besonders unfähigen, ungerechten, selbstgerechten, verblendeten und brutalen Mann nach Y entsandt und trotz vieler Beschwerden nie abberufen. Diese falsche, jedoch interessante Information wird dann in Zukunft von anderen Kritikern munter abgeschrieben, und für uns ist es heute recht schwer, den X zutreffend zu beurteilen. Der Statthalter Pilatus ist massiv Opfer solcher Propagandamuster insbesondere durch die jüdischen Autoren Philo und Josephus geworden.

Besonders „unausgewogen“ ist die Darstellung des Josephus. Er versucht nicht nur seine Rolle während des jüdischen Aufstandes besonders positiv zu schildern, sondern auch die der Juden. Natürlich muss er den Römern die Schuld am Aufstand zuschieben. Sein Dilemma: Die römischen Feldherren Vespasian und Sohn Titus sind inzwischen Kaiser; von ihrem Wohlwollen hängen des Josephus Leben und Wohlstand ab. Da bieten sich zum Glück frühere Statthalter als Bösewichte an; Kritik an Pilatus, den niemand mehr kennt, und seinem Kaiser Tiberius kann Nachfolger Titus verschmerzen.

Wer solche Quellen in den Vordergrund rückt, kommt zwangsläufig zu einem negativen Urteil über Pilatus.

Ein ergänzender Gedanke: Ich halte die antike Tiberius-Kritik, etwa von Sueton, für unberechtigt. Man kann bei Tiberius sehr wohl ein ernsthaftes Bemühen erkennen, das Reich gerecht und weiterentwickelnd zu regieren und dem Ideal des gerechten Herrschers zu entsprechen. Ein solcher Herrscher wird keinen unfähigen, blutrünstigen Intriganten für die lange Dauer von zehn Jahren in eine der schwierigen Gegenden des Reiches entsenden. Im Roman wird Pilatus deshalb eher positiv gesehen. Wenn ein gewissenhafter Herrscher wie Tiberius (erste Annahme) einen Statthalter zehn Jahre lang in einer Krisenregion belässt, dann muss der erfolgreich im Sinne dieses Herrschers regiert haben (zweite Annahme). M.E. verdient diese Ansicht auch in der Wissenschaft den Vorzug. - Die christliche Überlieferung bewertet Pilatus ebenfalls positiv.

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Ich hatte in einer frühen Fassung des Romans den Vater des Statthalters im Senatorenrang geschildert. Einer meiner in der Dankesliste nicht aufgeführten Testleser, der sich für einen großen Experten in Römischer Geschichte hält, sah darin einen groben historischen Fehler: Einer aus dem Ritterstand könne nicht Senator gewesen sein. Diese Einschätzung ist aber – unter Freunden gesprochen – dummes Zeug. Unter Caesar und Augustus konnte jedermann Senator werden; es gab Aberdutzende Senatoren aus dem Ritterstand und darunter (ein Beispiel in der Fernsehserie ROME, 1. Staffel, ist durchaus realistisch). Das bekannteste Beispiel ist Seianus. Er ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass die Augustuszeit mit manchem Verfassungsbrauch aus der Zeit der klassischen Republik gebrochen hatte; Seianus beispielsweise wurde Consul, ohne die Ämterlaufbahn absolviert zu haben (das war allerdings auch früher schon passiert: beispielsweise Pompeius oder auch Augustus). Oder ein anderes Beispiel: Unter Tiberius wurde über die Eingangsämter nicht mehr durch Wahlen entschieden, sondern durch Ernennung. – Augustus hat, als er fest etabliert war, in mehreren Schritten den Senat zu „reinigen“ versucht.

Ich habe im Roman dem Vater des Statthalters den Senatorenrang wieder abgenommen. Einmal, weil es historisch eher unwahrscheinlich ist, dass er tatsächlich Senator war. Vor allem aber, um die von mir beim Statthalter Pilatus vermutete gute Begabung für politische und militärische Aufgaben zu betonen. Wenn Pilatus nämlich aus keiner bedeutenden Ritterfamilie stammt, und davon muss man historisch ausgehen, dann bedeutet das für seinen beruflichen Werdegang, dass er durch Leistung aufgefallen sein muss, dass er wegen seiner Fähigkeiten für die schwierige Aufgabe in Judäa ausgewählt wurde.

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Manche Historiker nahmen lange Zeit an, Pilatus sei ein unselbständiger Procuratur mit dem syrischen Statthalter als Chef gewesen (auch mein schon erwähnter Super-Testleser hängt diesem Irrglauben an). Theodor Mommsen hatte sich bereits gegen diese Ansicht ausgesprochen und Pilatus als eigenverantwortlichen Statthalter in einer „richtigen Provinz“ gesehen. Dies ist inzwischen durch eine Widmungsinschrift bestätigt worden; Pilatus war Präfekt von Judäa, also Statthalter:

STIBERIEUM
[PON]TIUS PILATUS
[PRAEF]ECTUS IUDA[EA]E
Möglicherweise lautete der vollständige Text: Dis Augustis Tiberieum.  |  (Vorname) Pontius Pilatus  |  Praefectus Judaeae dedicavit (vgl. L.Schumacher, Römische Inschriften, 1988, Nr 99).

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Im Verlauf mehrerer Jahrzehnte bin ich Zeitgenosse vieler Krisenherde und Bürgerkriege geworden. Etwa den Konflikten in Palästina, in Nordirland, im Baskenland, um Ex-Jugoslawien, den gegenwärtigen Konflikten mit Islamisten. Diese Konflikte weisen Ähnlichkeiten auf zu den politischen, religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen, ethnischen Auseinandersetzungen in der römischen Provinz Judäa. Mich hat immer wieder die Frage bewegt: Wie reagiert ein zur Gestaltung befähigter Mensch, dem für den unglaublich langen Zeitraum von zehn Jahren die Verantwortung in einem unlösbaren religiösen, politischen, kulturellen Konflikt übertragen wird, auf diesen Konflikt? Er muss Attentate von religiösen Fundamentalisten überleben, Freunde und Berater zu Grabe tragen, die Opfer dieser Attentate wurden. Er verliert vielleicht seine Ehefrau, weil die vor dem Hass in der Provinz zurück in die Heimat flüchtet.

Neben dieser Frage nach der Reaktion und Belastbarkeit eines Menschen bleibt eine weitere: Welche Gestaltungsmöglichkeiten behält die Politik in der Konfrontation mit religiösen Fundamentalisten? Die Versuche der römischen Administration, eine Provinz zu befrieden und wirtschaftlich zu entwickeln, in der die Hälfte der Bevölkerung in fundamentaler Ablehnung verharrt, sind gescheitert. Judäa befand sich dreißig Jahre nach Pilatus im Aufstand. Rivalisierende Fundamentalisten kämpften gegeneinander, gegen alle übrigen und gegen die Römer.

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Jesus wird im Roman nach den Erkenntnissen moderner Theologie dargestellt. Und zwar indirekt in Berichten von Beobachtern oder durch die Suche des Evangelisten Johannes mindestens sechzig Jahre später. Damit versuche ich, auf die Tatsache einer sehr zweifelhaften und unsicheren historischen Quellensituation zu reagieren. Etwa die zahlreichen Ereignisse, die nach dem Text der Evangelien "deshalb" berichtet werden, weil sie in den Schriften "vorhergesagt" wurden.

Die zahlreichen Spekulationen über Jesu Leben werden nicht aufgegriffen (Jesus in Ägypten? Jesus als junger Mann in Indien? Jesus verheiratet? Jesus als Scheintoter vom Kreuz genommen und danach in Indien alt geworden?).

Es gibt (abgesehen vom Vorspann) nur einen direkten Auftritt von Jesus: ein Gespräch mit Pilatus, vielleicht das Zentrum des Romans. Über das Schicksal Jesu wird im Roman nichts Konkretes berichtet. - Aus dem Berg von Büchern, die ich selber las, habe ich als besonders lesenswert empfunden:

Gerhard Iber (Hrsg.),Neues Testament, Piper 1984;
Heinz Zahrnt, Jesus aus Nazareth, Piper 1987;
Heinz Zahrnt, Wie kann Gott das zulassen? Hiob – Der Mensch im Leid, Piper1985;
Schalom Ben-Chorin, Bruder Jesus. Der Nazarener in jüdischer Sicht, dtv 1977;
Burton L. Mack, Wer schrieb das Neue Testament? C.H.Beck 2000.

Was den Evangelisten Johannes betrifft, so glaube ich, dass er einen griechisch-philosophischen Hintergrund hat; in der Theologie ist das aber umstritten (s. auch Erläuterung zu S. 18).

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Es handelt sich bei meinem Buch trotz sorgfältiger Recherche nicht um eine Biographie und um kein Sachbuch, sondern um einen Roman. Wenn Sie historische Fehler sehen, dann sind diese vielleicht durch meinen Wunsch entstanden, Ihnen Ereignisse möglichst spannend zu erzählen. (Pilatus hatte fünf Kohorten Hilfstruppen; aus einer habe ich eine reguläre Kohorte gemacht, damit ein Senatorensohn sie als Tribun kommandieren kann; diesen späteren Senator brauche ich als Freund des Pilatus, um die Zustände unter Caligula zu schildern.)

AlleTribune und die persönlichen Berater des Statthalters sind fiktive Figuren, auch Gracchus. Sein Vater, der Julia-Liebhaber, ist aber eine historische Figur.

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1. Kapitel, S. 11:   Im allgemeinen Sprachgebrauch nennen wir die römischen Herrscher „Kaiser“. Korrekter wird das Regierungssystem (anfänglich) „Prinzipat“ genannt. Augustus´ verfassungsrechtliche Stellung lässt sich nicht mit wenigen Worten einfangen. Ich denke, ich habe sie im Text akzeptabel umrissen.

Augustus hieß ursprünglich Gaius Octavius, nach der Adoption (vermutlich) Gaius Julius C. f. Caesar Octavianus. Ab 27 v.Chr. Imperator Caesar divi filius Augustus (zitiert nach Ploetz). Diesem Namen wurden später die Titel angehängt: Pontifex Maximus, Consul, Pater patriae u.a.

S. 14:   Ob Augustus die Pontius-Pilatus-Familie kannte, wissen wir nicht. Es gilt aber: Je unbedeutender die Pilatus-Familie war, um so begabter muss der Statthalter Pilatus gewesen sein.

S. 121/135 f.: Zu der Episode mit dem Schaf bin ich durch ein eigenes, sehr seltsames "mystisches" Erlebnis angeregt worden.

2. Kapitel, S. 18:   Die Person des Evangelisten Johannes ist für uns heute nicht mehr greifbar. Die Wissenschaft hat sich akribisch mit ihm befasst, jedoch mit sehr dünnen Ergebnissen. Es ist inzwischen einhellige Meinung, dass er kein Jünger Jesu gewesen ist, sondern mindestens sechzig Jahre später schrieb. Ob er einen eher griechischen oder jüdischen Hintergrund hat, eher aus Syrien oder aus Kleinasien (insbes. Ephesos) stammt, ist alles umstritten. Ich neige zu einem griechischen Hintergrund und habe ihn im Roman entsprechend gestaltet. Der Beginn seines Evangeliums wirkt auf mich sehr „griechisch“, ebenso die gnostischen Andeutungen. Johannes schrieb in griechischer Sprache. - Wer dem weiter nachgehen möchte, findet bei Wikipedia („Johannes [Evangelist]“, „Evangelium nach Johannes“) Befürworter eines eher jüdischen Hintergrundes, im Lexikon Die Religion in Geschichte und Gegenwart, bei Gerhard Iber, NT, a.a.O., oder bei Heinz Zahrnt a.a.O. einen eher griechischen Hintergrund.

3. Kapitel, S. 43 (sowie noch mehrmals): Die Aufgaben eines Statthalters beschreibt Demetrios zutreffend. Es ging vor allem um die Integration in das Römische Reich; dafür waren wirtschaftliche Verflechtungen besonders hilfreich.

4. Kapitel, S. 68 ff.: Für den Grundriss von Caesarea und den dortigen Palast stütze ich mich auf Ehud Netzer, Die Paläste…, 1999, S. 109 ff. – Die Darstellung weicht von älteren Vermutungen über die Stadtstruktur ab. - Für die Herodes- und Römerzeit gibt es bisher erst wenige Ausgrabungen in Caesarea.

S. 71: Der Meter ist ein Maß des 19. Jahrh.; hier aus Vereinfachung verwendet.

S. 76:  Dass sich die Römer in weiße „Laken“ hüllten, ist eine seit langem überholte Vorstellung. Die Antike war bunt und man liebte die Farben. Vgl. als Einstieg epoc, Heft 4/2011, Bunte Antike.

 

S. 130 ff.: Einige Worte zur Strafaktion gegen unbeteiligte Dorf- oder Stadtbewohner.

Wir leben in Mitteleuropa inzwischen seit mehr als 65 Jahren im Frieden, für uns klingt das verdammt brutal, dass arme Dorfbewohner büßen müssen. Aber noch im 2.Weltkrieg, also vor 68 Jahren, wurde, wenn deutsche Soldaten von Partisanen erschossen wurden, die zehnfache Menge an Zivilisten ermordet. Man trieb aus dem nächstgelegenen Ort oder dem Ort der Tat Männer, Frauen und Kinder zusammen und erschoss sie. Dahinter steckt nicht nur der Gedanke der Rache und Abschreckung. Sondern man hoffte dadurch, von Einheimischen vor Anschlägen gewarnt zu werden.

Das waren nach damaligem Völkerrecht keine Verbrechen (das Land war ja besiegt, es herrschte "Frieden" und da kann man nicht einfach Soldaten umbringen). Kriegsverbrechen wurden aber dann begangen, wenn die 10er-Zahl überschritten wurde, also acht tote Soldaten und hundert Bürger wurden daraufhin erschossen. So etwas ist öfter passiert, und es gab ab 1945 im Ausland etliche Todesurteile gegen deutsche Offiziere. Ich habe darüber in meinem Roman Die Sandrachs. Roman über eine Familie in der Bonner Republik, Band 1 1945-1970, ein ganzes Kapitel geschrieben. Der Roman wird voraussichtlich nie erscheinen.

 

Noch eine Ergänzung für die Römerzeit: Wenn damals ein Sklave seinen Herrn, seine Herrin tötete, dann wurden alle Sklaven des Opfers hingerichtet. Das konnten hunderte sein. Nach unserem Wissen sind solche Morde durch Sklaven sehr selten gewesen. Die Idee dahinter: Um ihr eigenes Leben zu schützen, werden die Sklaven ihre Herrschaft beschützen. 

 

S. 153:  Die Statthalter von Syrien sind weitgehend bekannt. Aber gerade um die Zeit von Pilatus´ Amtsantritt, gibt es eine Lücke (nach der Liste in Pauly/Wissowa, RE). Ich habe deshalb einen der Consuln des Jahres 24 nach Syrien „geschickt“.

6. Kapitel:  Die Feldzeichen-Episode eignet sich besonders gut, um sich Gedanken über den historischen Pilatus zu machen. Für die Kritiker des Pilatus, damals wie heute, zeigt die Episode wie kaum ein anderes Ereignis die Dummheit, die Arroganz und die fehlende Sensibilität für die Aufgaben in Judäa. Und so wird die Episode dann auch seit Josephus´ Zeiten gern erzählt. – Ich halte von dieser Interpretation überhaupt nichts. Zunächst einmal könnte man darauf verweisen, dass den strenggläubigen Juden im Verlauf ihrer Geschichte oder durch Herodes oder Herodes Antipas schwerwiegendere Provokationen begegnet sind. Wichtiger ist aber folgende Überlegung: Ich denke, man muss davon ausgehen, dass Pilatus nicht völlig unvorbereitet in eine Provinz reiste, die erhebliche Besonderheiten und Sonderrechte ihrer Bevölkerung aufwies. Außerdem standen ihm in der Provinz Berater zur Seite. Pilatus kannte also von Anfang an den Umfang seiner Provokation. Wenn das so ist: Was könnte er sich als Vorteil davon versprochen haben? Ich mache Ihnen im Roman ein Erklärungsangebot. – Der gewissenhafte Princeps Tiberius hat – so glaube ich – einen politischen (= gestaltenden)  Kopf zehn lange Jahre lang Judäa regieren lassen und dieser Kopf zeigt in der Feldzeichen-Episode seinen Gestaltungswillen. Dummheit, Arroganz und fehlende Sensibilität kann ich nicht erkennen!

Historische Tatsache ist jedenfalls: Nach längeren Querelen bauten die Römer den Aquädukt für Jerusalem, und der Tempel bezahlte ihn. Wie mag ein dummer, arroganter, unsensibler Pilatus das wohl erreicht haben? Es wird sich wohl um eine genau kalkulierte Provokation des Pilatus gehandelt haben, mit der er festgefahrene Positionen wieder in Bewegung brachte ("Ich ziehe die Feldzeichen wieder aus Jerusalem wieder ab, wenn ihr ..."). 

7. Kapitel, S. 248 f.:  Die Geschichte des Großvaters ist eine uralte Erziehungsgeschichte. Ich habe leider die Fundstelle verbummelt, wo ich sie gelesen habe.

8. Kapitel, S. 251: Jesus empfahl seinen Anhängern auch ein neues Gebet, das VaterUnser, Matth 6, 9 und Luk 11, 1.

S. 312: Das Staatsarchiv befand sich im Tabularium neben dem Capitol und war m.W. jedem freien Römer zugänglich. Römische Autoren wie Tacitus oder Sueton werteten die Bestände für ihre Arbeiteten aus. Sueton war der wohl bekannteste Leiter des Archivs. – Die Notiz des Tiberius im Roman ist fiktiv; ich bestätige das ausdrücklich, weil mein schon erwähnter Super-Testleser die Existenz einer solchen Notiz bezweifelte (damit hatte er natürlich recht; dass er aber das Staatsarchiv nicht kannte, hat mich sehr verwundert).

S. 312 f.: Mit der Formulierung „Judäa unter Kriegsrecht stellen“ könnte Nerva einen Status meinen, der den beiden Militärregionen zwischen Gallien und Germanien ähnelt, aus denen später die Provinzen Germania inferior und superior gebildet wurden. Nervas Aussage steht ohnehin unter dem Vorbehalt, dass sich die Lage in Judäa wie drei Jahrzehnte später zu einem Aufstand hin entwickeln würde.

9. Kapitel, S. 316 ff.: Demetrios´ Zusammenfassung und sein gesamter Bericht entsprechen heutigem Stand der Theologie: Jesus stellte die gesamte Religion neu dar. Ich stütze mich auf die oben empfohlenen und einen ganzen Stapel weiterer Bücher. –Fundamentalistische Christen – Katholiken wie Evangelikale - werden die Jesus-Darstellung des Romans als komplett falsch ansehen.

10. Kapitel, S. 365 ff.: Ach, der Prozess gegen Jesus! Die Kritiker sind Legion. Der Theologieprofessor Mack, a.a.O. schreibt (S. 215 f.): „Gewöhnlich verstand man die sogenannte markinische Passionserzählung als historischen Bericht über tatsächlich Geschehenes, war jedoch beunruhigt über schwer annehmbare Züge. Die Liste unwahrscheinlicher Merkmale ist ziemlich lang und umfaßt Dinge wie den nächtlichen Prozeß, der illegal gewesen wäre, die Grundlage für den Vorwurf der Gotteslästerung, der ausgesprochen unklar, wenn nicht vollkommen konstruiert ist, die Tatsache, daß die Zeugen nicht miteinander übereinstimmen, was eine Einstellung des Prozesses erfordert hätte, (…), die Behauptung, die Kreuzigung habe an Pessach stattgefunden, was ein krasser Verstoß gewesen wäre, (…), die Tatsache, daß die Jünger inmitten all dieser Umstände einschliefen, die Aussage, Pilatus habe Jesus als „König der Juden“ hinrichten lassen, ohne einen guten Grund für die Einschätzung zu haben, die Darstellung, wonach die Hohenpriester (im Plural!) bei der Verspottung anwesend waren, und so weiter. Einen sinnvolleren Zugang eröffnet die Erkenntnis, daß es sich bei der Erzählung des Markus um eine fiktive Darstellung handelt, die vierzig Jahre nach Jesu Zeit – im Gefolge des Römisch-Jüdischen Krieges – verfaßt wurde. (…es gab) keinen der Hauptbeteiligten mehr, der hätte sagen können, es habe sich nicht auf diese Weise zugetragen.“ – Solche Folgerungen müssen niemanden in seinem Glauben irritieren; Jesu Leben wurde wohl gewaltsam beendet, und er ist von den Toten auferstanden; das glauben auch moderne Theologen. Was damals im Einzelnen geschah, ist ohne Bedeutung.

 

S. 395 ff.:  Das Große Weltenjahr.  -  Vor ca. 40 Jahren sind wir in das Sternbild Wassermann eingetreten. Für alle Freunde von Horuskopen wurde das Ereignis im Musical HAIR im Song AQUARIUS gefeiert; denn nun soll die Menschheit in ein wundervolles Zeitalter getreten sein, für die nächsten zweitausend Jahre: 

 

When the moon is in the Seventh House

And Jupiter aligns with Mars

Then peace will guide the planets

And love will steer the stars

This is the dawning of the age of Aquarius

The age of Aquarius

Aquarius! Aquarius!

Harmony and understanding

Sympathy and trust abounding

No more falsehoods or derisions

Golden living dreams of visions

Mystic crystal revalation

And the mind's true liberation

Aquarius! Aquarius!

When the moon is in the Seventh House

And Jupiter aligns with Mars

Then peace will guide the planets

And love will steer the stars

This is the dawning of the age of Aquarius

The age of Aquarius

Aquarius! Aquarius!